Herstellung italienischer Keramik

Die Herstellung italienischer Keramik reicht von manueller bis hin zur automatisierten Herstellung, und von Fliesen und Kacheln über Sanitärkeramik, feuerfeste Werkstoffe bis hin zu Geschirr und Wohnaccessoires.

Hier gibt es Informationen darüber, wie italienische Keramik handwerklich in einer Manufaktur, in einem Industriebetrieb und von freien Künstlern hergestellt wird.

Handwerkliche Herstellung italienischer Keramik

Vorbereitung des Tons

Die Herstellung italienischer Keramik beginnt mit der Vorbereitung des Ausgangsmaterials, dem Ton. Dieser kommt in der Natur meist in der Nähe des Handwerkers vor und wird mit einem Prozess von Unreinheiten befreit. Dafür werden die Tonstücke zerkleinert, mit Wasser verflüssigt und dann durch Filter gepresst. Der daraus entstandene Ton wird dann einige Monate in Räumen bei konstanter Temperatur gelagert.

Herstellung der Form

Je nachdem, welche Form man herstellen möchte, wird der Ton dann mit verschiedenen Techniken bearbeitet. Möchte man symmetrische und zylindrische Formen wie z. B. Vasen herstellen, wird der Ton auf eine Drehscheibe gelegt und dann von Hand modelliert.
Viele flache Formen, wie z. B. Teller, oder auch große Vasen oder Pflanzenkübel werden hergestellt, indem man den Ton von Hand in eine Form aus Gips drückt. Wenn der Handwerker so eine Form noch nicht hat, wird erst der Prototyp des Gegenstands per Hand modelliert und davon dann ein Gipsabdruck gemacht.
Kompliziertere Formen können hergestellt werden, indem man sich ein Gipsmodell macht und dieses mit flüssigem Ton füllt und sie dann trocknen lässt. Einige Betriebe benutzen diese Technik auch für einfachere Formen.
Man kann diese Techniken auch kombinieren und bspw. die Grundform per Hand
herstellen und komplizierte Griffe oder anderes gießen und diese dann zusammenfügen.

Trocknung

Nachdem die Form hergestellt wurde, muss diese an der Luft trocknen. Dies hört sich einfach an, ist aber ein delikater Prozess, der wesentlich zur Qualität des Endprodukts beitragen kann und deswegen mit besonderer Aufmerksamkeit vonstattengeht. Eine homogene und gleichmäßige Trocknung ist Garantie für die Haltbarkeit und Form der Ware. Eine ungleichmäßige Trocknung kann zu Deformierungen führen.

Nach etwa einer Woche wird der Form der letzte Schliff gegeben, die Kanten gesäubert und eventuelle Komponenten angebracht. Danach muss die Form noch etwa drei Wochen ruhen, um die verbliebene Feuchtigkeit zu verlieren. Nun kann die Form zum ersten Brand in den Ofen.

Erster Brand

Der Brennprozess ist ebenfalls delikat und kann hin und wieder für Überraschungen sorgen, da hier viele verschiedene Faktoren zusammenkommen. Zum einen muss der Ton anfangs gut gereinigt und die Form ausreichend getrocknet worden sein. Dann muss die Temperatur im Ofen stufenweise für bestimmte Zeiten ansteigen und absinken, wobei bei jeder Stufe andere Dinge im Ton passieren. Die Form wird in dieser Phase bei ungefähr 1.020 Grad gebrannt, wodurch der „biscotto“, die Terrakotta, entsteht.

Glasur und zweiter Brand

Nach dem ersten Brand wird die Form in eine weiße Glasur getaucht, die den noch porösen Ton umschließt und die beim zweiten Brand schmilzt, glatt wird und die Form schützt.

Unterglasurdekor

Bei vielen italienischen Majolika dient diese Glasur als Grundlage, auf die das eigentliche Dekor aufgemalt wird, bevor die Form zum zweiten Brand kommt. Im zweiten Brand verschmilzt dann die Glasur mit dem Dekor. Diese Art der Bemalung nennt man Unterglasurdekor. Da das Dekor unter der harten Glasur liegt, ist es gut gegen äußere Einflüsse geschützt. Viele Keramiker in Italien besprühen ihre Waren zusätzlich mit flüssigem Glas, welches wie eine hauchdünne Beschichtung das Dekor zusätzlich schützt und die Farben brillanter macht. Im Vergleich zu Inglasur- und Aufglasurdekoren sind Unterglasurdekore die hochwertigsten.

Inglasurdekore und dritter Brand

Dekore, die nach dem zweiten Brand auf die glatte Glasur aufgetragen werden, nennt man Inglasurdekore. Bei einem dritten Brand verbindet sich dieses Dekor mit der Glasur. Da diese Dekore in der harten Glasur liegen, sind auch diese gegen äußere Beanspruchungen geschützt.

Aufglasurdekore

Aufglasurdekore werden auf die Glasur aufgeschmolzen und sind angreifbarer als Unter- und Inglasurdekore.

Die große Mehrheit der Handwerksbetriebe in Italien sind laut Statistikamt Istat, Archivio Statistico delle Imprese Attive, die Einzelunternehmen, die sich im Jahr 2009 auf fast 80 % belaufen und im Durchschnitt zwei Personen beschäftigen. Nur 4 % sind GmbHs mit durchschnittlich sieben Personen.
Handwerksbetriebe können auch auf die Herstellung von Komponenten spezialisiert sein, die andere Handwerker dann weiter bearbeiten. Dies kann man manchmal bei Einzelunternehmen antreffen, die sich die vorgefertigte Ware in Terrakotta kaufen und diese dann glasieren und bemalen.

Industrielle Herstellung italienischer Keramik

Vorbereitung des Tons

Bei der industriellen Herstellung italienischer Keramik wird der Ton, einer bestimmten Rezeptur folgend, mit verschiedenen Materialien gemischt. Diese Zutaten werden maschinell dosiert und ergeben ein keramisches Pulver.

Herstellung der Form

Eine Methode zur industriellen Herstellung von Formen besteht darin, das keramische Pulver mit Wasser flüssig werden zu lassen und es in vorgefertigte Formen zu gießen. Dieses Schlickerguss-Verfahren erlaubt die massenhafte Herstellung von Artikeln.

Eine weitere industrielle Methode zur Formgebung ist das maschinelle Pressen des knetbaren Tons in vorgefertigte Formen. Dabei wird automatisch eine bestimmte Menge des plastischen Tons abgeschnitten, welche in vorgefertigte Formen fällt. Diese Formen befinden sich auf einem Fließband, auf dem sie automatisch den gesamten Prozess der Formgebung durchlaufen.

Das folgende Video (Dauer circa 9 Minuten) zeigt eine automatisierte Herstellung von Tellern.

Link zum Video

Die industriell hergestellten Keramiken haben meist einfache und standardisierte Formen.

Trocknung

Die Trocknung der Formen erfolgt in klimatisierten Räumen.

Erster Brand

Wie bei Handwerksbetrieben auch, werden die Formen in der Industrie ebenfalls einem ersten Brand ausgesetzt, durch den aus dem Ton ein hartes Produkt entsteht. Hier werden spezielle, auf die Massenabfertigung abgestimmte, Öfen benutzt, die teilweise kontinuierlich laufen.

Glasur und zweiter Brand

Um den noch porösen Ton wasserdicht und glatt zu machen, wird die Form, wie im Handwerk auch, mit einer Glasur versehen, die mit einem zweiten Brand aufgebracht wird.

Inglasurdekore und dritter Brand

Im Unterschied zum Handwerk findet man in der Industrie Dekore, die nicht von Hand aufgemalt, sondern vorher ausgedruckt und aufgelegt werden und sich durch einen dritten Brand mit der Glasur verbinden. Diese Technik vereinfacht die Dekoration von Keramiken enorm, wirkt jedoch oft flach und kühl.

Keramikherstellung durch freie Künstler

Vorbereitung des Tons

Freie Keramik-Künstler kaufen meist den bereits zur Verarbeitung vorgefertigten Ton und haben somit keinen Einfluss auf die enthaltenen Materialien und die Qualität des Tons.

Herstellung der Form

Freie Künstler sind, im Gegensatz zu Handwerkern, die meist Gebrauchsgegenstände mit Bezug zu lokalen Traditionen herstellen, offener in der Gestaltung ihrer Produkte. Sie experimentieren mit Formen, Materialien, Farben und Techniken und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Bei ihnen entstehen keine Massenproduktionen oder Artikel in Serienanfertigung, sondern meist Unikate.

Trocknung

Die delikate Phase der Trocknung hängt von den jeweiligen Räumlichkeiten und Möglichkeiten eines Künstlers ab. Nicht jeder wird die Möglichkeit haben, spezielle Räume für die Trocknung zu haben und die Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren. Brand, Glasur und Dekor Je nachdem, wie sich ein Künstler organisiert, kann er einen mehr oder weniger professionellen Ofen benutzen und damit mehr oder weniger professionelle Ergebnisse erzielen.

Fazit

Die Herstellung italienischer Keramik kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen, die unterschiedliche Ergebnisse erzeugen. Handwerklich hergestellte Waren haben meist einen Bezug zur lokalen Tradition, sind Gebrauchsgegenstände für den Alltag mit persönlicher Note des Handwerkers und oft hochwertig. Keramiken als industrielle Massenware sind oft weniger originell, unpersönlich, aber günstiger. Keramiken von freien Künstlern können sehr kreativ und originell sein und sind oft Unikate.

Lars Klumb

Lars Klumb

Inhaber bei bei Botteghe Contemporanee
Mein Name ist Lars Klumb. Ich bin Deutscher und lebe seit 15 Jahren in Italien. Ich habe eine Leidenschaft für das Schöne und das Edle, was Italien zu bieten hat. Ich komme ursprünglich aus der Produktentwicklung und aus dem Einzelhandel für Bekleidungs- und Textilfirmen des Mittleren-, des Gehobenen, und des Luxus-Genres. Seit mehr als fünf Jahren beschäftige ich mich mit dem Bereich Handwerk und habe es mir zur Aufgabe gemacht, italienische Handwerker zu unterstützen. Dafür schreibe ich auf dieser Website und betreibe einen virtuellen Werkstattladen, in dem gute Waren italienischer Handwerker und Manufakturen aus den Bereichen Wohn- und Modeaccessoires angeboten werden. Schau doch mal rein!
Lars Klumb

Letzte Artikel von Lars Klumb (Alle anzeigen)